Dr. Ing. Andrzej Górka, Senior Lecturer, Leiter des Passivhaus Zentrum
andrzej.gorka@put.poznan.pl, +48 61 6485826
Dr Ing. Radosław Górzeński, Adjunkt
radoslaw.gorzenski@put.poznan.pl, +48 61 6485825
Technische Universität zu Poznań, Institut für Umwelttechnik

1. Einleitung, Funktionsprinzip der Verdampfungskühlung

Aufgrund des in Polen vorherrschenden Klimas ist der Energieverbrauch zum Beheizen von Gebäuden wesentlich größer als für die Kühlung. Bei neuen Gebäuden mit wirksamer Wärmeisolierung ist der Energieverbrauch zur Kühlung jedoch hoch und übersteigt in manchen Fällen den Heizenergieverbrauch. Die steigenden Anforderungen an die Energieeffizienz von Gebäuden und sowie die hohen Energiekosten veranlassen zur Suche nach neuen technischen Lösungen, die im Sommer akzeptablen Komfort innerhalb des Gebäudes bei beschränkten Investitionsaufwendungen und mäßigen System-Betriebskosten gewährleisten.

Neben der am weitesten verbreiteten Kompressorkühlung sind auf dem Markt immer häufiger Anlagen zur direkten und indirekten Verdampfungskühlung anzutreffen (adiabatische Kühlung, Evaporations-Kühlung, eng. evaporative cooling). Die Verdampfungskühlung blickt auf eine lange Geschichte zurück – bereits in der Antike wurden befeuchtete Tücher zur Senkung der Raumtemperatur verwendet. Für Verdampfungskühlung sprechen auch ökologische Aspekte – als Kühlmittel wird Wasser verwendet (R718). In der polnischen Literatur wird oft geschrieben, dass diese Art der Kühlung für trockenes und heißen Klima geeignet ist [1]. In diesem Artikel wurde die Wirksamkeit sowie Wirtschaftlichkeit der Verwendung der direkten Verdampfungskühlung unter den in Polen herrschenden Bedingungen analysiert.

Das Funktionsprinzip einer Anlage zur direkten Verdampfungskühlung zeigt das Bild 1.

Bild 1. Funktionsprinzip und Innenleben einer direkten Verdampfungskühlungsanlage – Eigendarstellung auf Basis von [2]

or dem Hintergrund der Thermodynamik handelt es sich bei der Verdampfungskühlung um Wärme- und Massenaustausch zwischen Wasser und Luftstrom, wobei das Wasser verdampft. Die zur Verdampfung von Wasser benötigte Wärme wird aus der vorbeiströmenden Luft entzogen, wodurch die Lufttemperatur sinkt und der Feuchtigkeitsgehalt steigt. Die fühlbare Wärme aus der Luft wird in latente Verdampfungswärme von Wasser umgewandelt. Die gesamte Verdampfung erfolgt praktisch ohne Wärmeaustausch mit der Umgebung, somit beträgt die gesamte Kälteleistung der Anlage … 0,0 kW. Dennoch hat die aus der Anlage austretende Luft eine Temperatur, die um 10 bis 20 °C unterhalb der Temperatur der angesaugten Luft liegt. Zur Beschreibung des Funktionsprinzips der direkten Verdampfungskühlung wird häufig der Begriff der „fühlbaren Kühlleistung“ verwendet:

wobei:

Q – fühlbare Kühlleistung [W], V – Luftvolumenstrom [m3/s], – Luftdichte [kg/m3], c – spezifische Wärmekapazität der Luft [J/(kgK)], t in – Lufttemperatur am Anlageneinlauf [°C], t out – Lufttemperatur am Anlagenauslauf [°C].

Da die Senkung der Lufttemperatur bei der Verdampfungskühlung mit einem Anstieg der relativen Luftfeuchtigkeit verbunden ist, fällt die Effizienz solcher Anlagen bei hoher relativen Luftfeuchtigkeit deutlich ab, was im Sommer zum Beispiel vor einem Sturm auftreten kann.

2. Messungen

Um die Eignung der Verdampfungskühlung für das polnische Klima zu beurteilen, wurden zweimonatige Messungen der Betriebsparameter einer mit etwa 75 % des Nennluftstroms betriebenen Breeze-900-Anlage durchgeführt. Die Anlage wurde zur Absenkung der Lufttemperatur in einer Lagerhalle mit einer Fläche von ca. 400 m² am Stadtrand von Poznań verwendet (Abb. 2).

Bild 2. Lage der geprüften Anlage – Quelle: eigene Untersuchung

 

Bild 3. Thermografische Aufnahmen der geprüften Anlage an einem heißen Tag: Außenlufttemperatur ca. +18 °C bei einer Außenlufttemperatur von ca. + 30 °C und Temperatur von Dachelementen von nahezu +50 °C – Quelle: eigene Untersuchung

Die mit einer Leistung von ca. 10.000 m³ betriebene Anlage wurde innerhalb von zwei Monaten im Sommer 2013 beobachtet. Die Messergebnisse wurden zu Energieberechnungen auf der Grundlage von stündlichen Wetterdaten des Ministeriums für Infrastruktur und Entwicklung genutzt [3].

Die Messungen dauerten vom 01.07.2013 bis zum 30.08.2013, wobei folgende Parameter überwacht wurden:

  • Temperatur und Feuchtigkeit der Außenluft,
  • Temperatur und Feuchtigkeit der Zuluft,
  • Temperatur und Feuchtigkeit der Raumluft.

Die obigen Parameter wurden stetig mit hoher Genauigkeit gemessen, gemittelt und alle 2 Minuten aufgezeichnet. Auch die Einschaltdauer der Anlage wurde überwacht. Die Anlage war von Montag bis Freitag zwischen ca. 8:30 Uhr bis ca. 16:30 Uhr und nur dann betrieben, wenn der Betrieb aufgrund der Lufttemperatur innerhalb des zu kühlenden Lagers dies erforderte.

Im Bild 4 sind die Daten der gesamten Messperiode mit der Abhängigkeit der Zulufttemperatur von der Temperatur und relativen Feuchtigkeit der Außenluft dargestellt. Bei solchen Anlagen fällt die Zulufttemperatur mit der relativen Feuchtigkeit der Außenluft. Diese Tatsache wird von durchgeführten Messungen bestätigt: z. B. bei einer Außenlufttemperatur von +32 °C betrug die Zulufttemperatur ca. 23,5 °C bei einer relativen Feuchtigkeit der Außenluft von 50 % und fiel auf +21 °C bei einer relativen Feuchtigkeit der Außenluft von 40 %. Aus dem Diagramm in Abbildung 3 geht hervor, dass bei einer relativen Außenluftfeuchtigkeit von weniger als 30 % eine Abkühlung der Luft von +32 °C auf unter +20 °C möglich ist.

Bild 4. Abhängigkeit der Zulufttemperatur von der Temperatur und der Feuchtigkeit der Außenluft – die Breeze-900-Anlage wird bei etwa 75 % des Nennluftstroms betrieben – Quelle: eigene Untersuchung

Das Bild 5 zeigt den Verlauf der gemessenen Parameter an zwei aufeinanderfolgenden heißen und sonnigen Tagen (21. und 22. Juli 2013), wobei am ersten Tag (Sonntag) die Anlage abgeschaltet und am zweiten dargestellten Tag (Montag) in Betrieb war. Durch die Darstellung zwei ähnlicher Tage erlaubt das Diagramm eine vergleichende Beurteilung der Wirkung der Anlage.

Für den Betreiber hat die Raumlufttemperatur die größte Bedeutung. Während am Sonntag bei abgeschalteter Anlage die Raumlufttemperatur über +33 °C gestiegen war, so wurde die Raumlufttemperatur am Montag bei vergleichbaren Bedingungen und eingeschalteter Anlage auf rund +27 °C beschränkt. Somit konnte durch den Betrieb der Anlage die Raumtemperatur um ca. 6 °C gesenkt werden. Dabei wurde eine Anlage mit einer um rund die Hälfte niedrigeren Leistung eingesetzt, als vom Hersteller für ein Gebäude dieser Größe empfohlen. Beim Einsatz einer richtig dimensionierten Anlage ist eine deutlich größere Absenkung der Raumtemperatur zu erwarten. Der Einfluss des Anlagenbetriebs auf die Raumlufttemperatur ist ebenfalls am Montag um ca. 16:00 Uhr deutlich sichtbar, als die Abschaltung der Anlage erfolgte. Nach der Abschaltung der Anlage stieg die Raumtemperatur innerhalb kurzer Zeit um 4 °C, obwohl die Sonneneinstrahlung schon schwächer war und die Außenlufttemperatur langsam zu sinken begann.

Während der heißesten Phasen des Tages – zwischen 13:00 und 16:00 Uhr, als die Außenlufttemperatur ca. +32 °C betrug -lag die Zulufttemperatur beim Anlagenbetrieb zwischen +19 °C und +20,7 C, was eine Verringerung der Zulufttemperatur um über 12 °C bedeutet. Das Diagramm im Bild 4 zeigt ähnliche Werte dieser Parameter. Eine so große Verringerung der Zulufttemperatur war vor allem Folge der verhältnismäßig niedrigen relativen Außenluftfeuchtigkeit in diesen Stunden, die nicht mehr als 35 % betrug. Bei hohen Lufttemperaturen ist die relative Luftfeuchtigkeit in der Regel gering, wodurch hohe Leistungsfähigkeit während der heißesten Zeit des Jahres erzielt werden kann – siehe Bild 6.

Bild 5. Verlauf der Temperaturen und der relativen Luftfeuchtigkeit an zwei aufeinanderfolgenden heißen Tagen: Sonntag, 21.07.2013 (Anlage abgeschaltet) und Montag, 21.07.2013 (Anlage eingeschaltet) – Quelle: eigene Untersuchung

Die relative Luftfeuchtigkeit im Raum bei Anlagebetrieb schwankte zwischen 52 % und 57 %. Dabei handelt es sich um die gleiche relative Luftfeuchtigkeit, die im Raum ohne Anlagenbetrieb während der Nachtstunden beobachtet wurde.

Die gemessene elektrische Leistungsaufnahme der Anlage betrug 680 W.

Bild 6. Abhängigkeit der gefühlten Kühlleistung der Anlage von der Außenlufttemperatur – Messergebnisse, konstanter Luftstrom – Quelle: eigene Untersuchung

 

3. Saisonale Analyse

Die an einem bestimmten Ort zur bestimmen Zeit aufgezeichneten Messdaten ermöglichen die Bestimmung von Betriebscharakteristiken der eingesetzten Anlage bei den vorhandenen Außenbedingungen. Um die zu erwartende mittlere Wirksamkeit sowie die saisonalen Betriebskosten der Anlage zu bewerten, müssen die während der Messungen erfassten Betriebsparameter auf Standardbedingungen umgerechnet werden. Dazu wurden die teilweise im Bild 4 dargestellten, erfassten Daten mittels der Formeln und näherungsweise bestimmt, wobei die Außenlufttemperatur, – die relative Luftfeuchtigkeit der Außenluft, – die Zulufttemperatur und – die relative Luftfeuchtigkeit der Zuluft bedeuten. Anhand der so definierten Formeln sowie der Daten der „typischen meteorologischen Jahre“ von den Seiten des Ministeriums für Infrastruktur und Entwicklung [3] wurde die Verteilung der Temperatur und der relativen Luftfeuchtigkeit der Zuluft für 4 beispielhafte Standorte berechnet: Szczecin, Poznań, Warszawa, Katowice. In jedem Fall wurde angenommen, dass die Anlage vom 01. Juni bis zum 31. August an 7 Tagen der Woche während die Außenlufttemperatur +22 °C übersteigt betrieben wird. Zur Berechnung der Betriebskosten wurde der Preis der elektrischen Energie von 0,15 EUR je 1 kWh sowie der Preis von Wasser mit 2,75 EUR je 1 m³ angesetzt. Der Volumenstrom der Luft wurde unterhalb des Nennstroms angesetzt, entsprechend dem Wert während der Untersuchung der Anlage.

Die Ergebnisse der Berechnung sind in der Tabelle 1 enthalten.

Tabelle 1. Saisonale Betriebsparameter der untersuchten Anlage, berechnet für typische meteorologischen Jahre für 4 Standorte in Polen – Quelle: eigene Untersuchung

Ort Szczecin Poznan Warszawa Katowice
Luftstrom m3/h 10 000 10 000 10 000 10 000
Betriebsdauer h 242 430 425 351
Betriebsdauer bei einer Abkühlung < 4 °C h 18 9 41 14
Betriebsdauer bei einer Abkühlung < 4 °C % 7% 2% 10% 4%
Mittlere Luftabkühlung °C 6,5 7,5 6,8 7,0
Maximale Luftabkühlung °C 10,0 13,3 12,5 11,8
Mittlere Zulufttemperatur °C 18,2 17,6 18,1 17,9
Mittlere relative Zuluftfeuchtigkeit % 89 88 89 89
Mittlehre fühlbare Kühlleistung kW 22 25 23 23
Aufgenommene elektrische Leistung W 680 680 680 680
Verbrauch an elektrischer Energie kWh 165 292 289 239
Mittlerer Wasserverbrauch dm3/h 34 40 36 37
Gesamtwasserverbrauch m3 8,3 17,2 15,4 13,1
Kosten der elektrischen Energie EUR 25 44 43 46
Wasserkosten EUR 23 47 42 36
Gesamte Betriebskosten EUR 47 91 86 72
Mittlerer Effizienzfaktor („COP“) 32 37 34 34
Mittlere Kosten der Erzeugungskosten pro 1 kWh fühlbarer Külleistung EUR/kWh 0,009 0,009 0,009 0,009

Die Analyse der Berechnungen ergibt folgende Schlussfolgerungen:

  • Die unterschiedliche Betriebsdauer der Anlage ergibt sich aus den unterschiedlichen Witterungsverhältnissen an den untersuchten Standorten. Der höchste Wert wird in Zentralpolen (Warszawa, Poznań) und ein deutlich niedrigerer Wert in Meeresnähe erzielt.

  • Der Betrieb mit geringer Leistung und schwacher Luftkühlung (weniger als 4 °C) stellt etwa 2 %  10 % der Betriebsdauer dar. Dies bezieht sich hauptsächlich auf Zeiten mit hoher Luftfeuchtigkeit bei gleichzeitig nicht zu hoher Temperatur der Außenluft (bis +25 °C) – siehe Bild 6, wenn eine intensive Kühlung in der Regel nicht erwartet wird.

  • Die mittlere Luftabkühlung beträgt etwa 7 °C und die maximale Abkühlung in Poznań übersteigt 13 °C. Bei hohen Außentemperaturen erzielt die Anlage hohe Abkühlung der Luft – beispielsweise in Poznań wurde bei einer Außentemperatur von über 30 °C die Luft in der Anlage im Mittel um über 11 °C gekühlt.

  • Die mittlere Zulufttemperatur beträgt ca. +18 °C bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von ca. 90 %. Nach Aufnahme des Gewinns der fühlbaren Wärme im Raum steigt die Lufttemperatur gewöhnlich auf ca. +25 °C und die relative Luftfeuchtigkeit sinkt auf ca. 50 bis 60 %.

  • Die mittlere fühlbare Kühlleistung der Anlage – berechnet nach Gleichung (1) – unterscheidet sich wegen der spezifischen Witterungsverhältnisse je nach Standort. Sie ist ca. 35-mal höher als die aufgenommene elektrische Leistung. Die Energieeffizienz der Kühlung der untersuchten Anlage ist damit etwa zehnmal höher als bei den verbreitet eingesetzten Kompressor-Kühlgeräten.

  • Der mittlere Wasserverbrauch durch die Anlage erreicht 40 dm³/h. Während der gesamten Sommers erreicht der Verbrauch einige zehn m³. Wenn zusätzliches Ablassen des Wassers von der Anlage während des Betriebs vorgesehen wurde, kann der Wasserverbrauch um einige m³ steigen.

  • Die Kosten der elektrischen Energie und des Wassers sind annähernd gleich – und entsprechen jeweils ca. 50 % der Gesamtbetriebskosten der Anlage. Beim Betrieb einer größeren Anzahl von Anlagen ist der Einbau eines gesonderten Wasserzählers oft lohnenswert, damit die Abwassergebühren entfallen und dadurch die Kosten der Wasserversorgung erheblich reduziert werden können. Wird das Wasser aus eigener Quelle bezogen, so sind dessen Kosten in aller Regel vernachlässigbar.

  • Die Gesamtbetriebskosten der Anlage sind relativ niedrig und überschreiten 0,25 EUR/h nicht.

  • Die spezifischen Kosten der Erzeugung von spürbaren Kühlenergie liegen bei ca. 0,009 EUR/1 kWh – dieser Wert ist für die kompressorbasierten Kühlgeräte unerreichbar, da deren Betriebskosten um ein Mehrfaches höher sind, meistens sind diese Kosten ca. 5-mal höher.

4. Kontroversen

Die hervorragenden Ergebnisse in Bezug auf Energieeffizienz sowie der vollkommen umweltfreundliche Betrieb gehören zu den unstrittigen Vorteilen von Anlagen der direkten Verdampfungskühlung. Diese Anlagen zeichnen sich jedoch durch einige Merkmale aus, die bei den Planern und potenziellen Betreibern Zweifel hervorrufen. Hierbei werden insbesondere folgende Merkmale erwähnt:

  • volle Leistungsfähigkeit kann bei hoher Außenluftfeuchtigkeit nicht erzielt werden,

  • die Luftfeuchtigkeit in dem zu kühlenden Raum wird erhöht sowie

  • die Wachstumsgefahr von Krankheitserregern steigt.

Die Effizienz der beschriebenen Verdampfungskühlungsanlagen hängt von der Temperatur und relativen Feuchtigkeit der Außenluft ab. Die Leistungsfähigkeit der Anlage fällt bei hoher Außenluftfeuchtigkeit ab. Eine hohe relative Luftfeuchtigkeit liegt jedoch überwiegend bei Außenlufttemperaturen von weniger als +25 °C vor. Die in der Tabelle 1 angegebenen Stundenzahlen mit einer Abkühlung von weniger als 4 °C entfallen auf solche mäßigen Temperaturen. Bei allen untersuchten Wetterdaten in Warszawa trat nur während einer Stunde eine Abkühlung von weniger als 4 °C bei einer Außenlufttemperatur von über +25 °C auf. Hierbei muss jedoch berücksichtigt werden, dass die obigen Berechnungen auf gemittelten stündlichen Parametern basieren – unter reellen Betriebsbedingungen können sporadisch kurze Intervalle mit hoher Temperatur und relativen Feuchtigkeit der Außenluft auftreten – z. B. vor einem Sturm –, während welcher die Anlage die Betreibererwartungen nicht vollständig erfüllen wird.

Die Anreicherung der Zuluft mit 30 bis 40 dm³/h Wasser verursacht manchmal die Befürchtung, dass die Luftfeuchtigkeit im Raum unkontrolliert steigen wird. Diese Befürchtung wäre begründet, wenn die Anlage mit Umluft arbeiten würde – wie es bei der Kühlung mit Split-Kompressor-Geräten der Fall ist. Jedoch bewirkt die Zugabe von 35 dm³/h Wasser in den Frischluftstrom von 10.000 m³/h die Erhöhung des Feuchtegehalts der Luft um knapp 3 g/kg, was der Zunahme der relativen Luftfeuchtigkeit von ca. 15 % bei einer Temperatur von +25 °C entspricht, die gewöhnlich an Sommertagen in den gekühlten Räumen anzutreffen ist. Die Messergebnisse zeigen, dass die relative Feuchtigkeit im zu kühlenden Raum beim Anlagenbetrieb am heißen Tag nicht über 60 % (siehe Bild 5) gestiegen war, was die Berechnungsergebnisse bestätigt: Zuluft mit den Parametern  = +18 °C,  = 90 % erreicht nach Aufnahme der fühlbaren Wärmegewinne im Raum eine relative Luftfeuchtigkeit von  ca. 60 % bei einer Temperatur von  = +25 °C. Es kann jedoch vorkommen, dass die relative Außenluftfeuchtigkeit am Nachmittag über 70 % steigt – in diesem Falle wird die relative Luftfeuchtigkeit im zu kühlenden Raum auch 70 % überschreiten, weil die Verdampfungskühlungsanlage (im Gegensatz zu den Kompressor-Kühlgeräten) über keine Möglichkeit der Lufttrocknung verfügen. Das Komfortempfinden von Menschen bezüglich der relativen Luftfeuchtigkeit liegt zwischen ca. 30 % und 70 %. Bei der Anwendung von Anlagen zur Verdunstungskühlung von Produktionshallen, Lagerräumen u. ä. ist der zulässige Bereich der relativen Luftfeuchtigkeit für den jeweiligen Einsatzfall zu prüfen.

Unter den beim Betrieb von Raumkühl- und -klimageräten auftretenden Keimen geht eine Gefahr von dem Legionella pneumophila-Bakterium aus. Dieses Bakterium wird in geringen Mengen in natürlicher Umgebung angetroffen (z. B. in Flüssen oder Seen) und vermehrt sich unterschiedlich intensiv im Wasser bei einer Temperatur von +20 °C bis +45 °C – am schnellsten bei +37 °C. Auch die Aggressivität des Legionella pneumophila-Bakteriums hängt von der Temperatur ab – das Bakterium ist bei ca. 37 °C aggressiver als bei einer Temperatur von weniger als +25 °C [4]. Eine Infektionsgefahr besteht beim Einatmen von mit dem Bakterium befallenen Wassertröpfchen. Wasser in flüssiger Form kommt bei den meisten populären Luft-Kühl-, -Befeuchtungs- oder -Trocknungssystemen mit der Zuluft in Berührung, so dass all diese Systeme vor der Vermehrung des Legionella-Bakteriums zu schützen sind – genauere Anforderungen diesbezüglich sind im Bericht des Instituts für Bautechnik [5] zu finden. Die größte Gefahr des Auftretens von Legionella pneumophila-Bakterien im Klima- und Lüftungsbereich tritt beim Einsatz von befeuchteten Kühlturmen und Abdampfkondensatoren auf, weil dort höhere, das schnelle Wachstum von Bakterien unterstützende Temperaturen auftreten. Bei der zur Aufbereitung der Zuluft verwendeten Verdampfungskühlung (adiabatischen Kühlung) tritt die Gefahr des vermehrten Bakterienwachstums bei Stagnation im Wasserbehälter während des intermittierenden Betriebs [4] auf. Um dies zu vermeiden, ist der Wasserbehälter bei Betriebsunterbrechungen der Anlage vollständig zu leeren. Moderne Anlagen zur adiabatischen Kühlung sind mit Magnetventilen zur automatischen Entleerung des Wasserbehälters ausgestattet. Bei der untersuchten Anlage betrug die mittlere Zulufttemperatur +20,2 °C, bei typischen Witterungsverhältnissen sind jedoch mittlere Zulufttemperaturen von ca. +18 °C zu erwarten (Tabelle 1). Momentane Temperaturen der Ausblasluft der Anlage können etwa +25 °C erreichen. Da die Anlage kontinuierlich mit kaltem Leitungswasser versorgt wird, liegt die mittlere Wassertemperatur unterhalb der Zulufttemperatur. Darüber hinaus ist der Wasserbehälter der geprüften Anlage vergleichsweise klein – kleiner als der mittlere stündliche Wasserbedarf, so dass die Verweilzeit vom Wasser in der Anlage in der Regel weniger als 1 Stunde beträgt. Somit ist das Risiko der Vermehrung von Legionella-Bakterien beim Betrieb der Verdampfungskühlungsanlage gering. Das Risiko entsteht, wenn das Wasser in der Anlage bei einer Betriebsunterbrechung verbleibt, denn dann kann die Wassertemperatur auf die Temperatur der Außenluft – z. B. auf über +30 °C – steigen (oder sie übersteigen). Um das zu vermeiden, muss das Wasser aus dem Anlagenbehälter abgelassen werden.

Um nach über 3-monatigen Betrieb der Anlage das Auftreten von Bakterien zu prüfen, wurde die aus der Anlage entnommene Wasserprobe gemäß PN-EN ISO 11731-2:2008 auf Legionella pneumophila-Bakterien untersucht. Die Untersuchung [6] hat keine solche Bakterien in der entnommenen Wasserprobe nachgewiesen.

5. Zusammenfassung

Die Verdampfungskühlung (adiabatische Kühlung) stellt eine interessante Alternative zu den auf dem Markt dominierenden Kompressor-Kühlgeräten dar. Eine zehnfach größere Energieeffizienz sowie die fehlenden negativen Umweltauswirkungen – als Kühlmittel wird Leitungswasser verwendet – sind die wesentlichen Vorteile dieses Systems. Bei der Wahl der Verdampfungskühlung muss jedoch berücksichtigt werden, dass bei einer periodisch auftretenden hohen Außenluftfeuchtigkeit – was zum Beispiel vor einem Sturm vorkommen kann – die fühlbare Kühlleistung der eingesetzten Anlage merklich geringer sein wird. Darüber hinaus muss mit erhöhter relativen Luftfeuchtigkeit in den zu kühlenden Räumen gerechnet werden. Dieser Wert hängt von vielen Faktoren ab und liegt meistens unterhalb von 55 bis 65 %, was ein im Hinblick auf das menschliche Wärmekomfortempfinden ein akzeptabler Wert ist. Beim ordnungsgemäßen Betrieb der Anlage ist die Gefahr durch das Wachstum des Legionella pneumophila-Bakteriums gering oder gar nicht vorhanden, ähnlich wie bei anderen Klimageräten.

Die Verwendung der Verdampfungskühlungsanlagen in der hier betrachteten Ausführung hat noch einen weiteren wichtigen und bisher nicht genannten Vorteil: im Gegensatz zu den Split-Kühlgeräten werden durch die Anlage große Mengen an gefilterter Frischluft in das Gebäude eingeleitet – die in diesem Artikel beschriebene Anlage leitet 10.000 m³/h gekühlter Außenluft in das Gebäude ein, was den Frischluftbedarf für über 300 Personen bei den Gesamtbetriebskosten von nicht mehr als 0,25 EUR/h deckt. Verglichen mit durch Kompressorgeräte gekühlten Gebäuden ist noch ein Unterschied hervorzuheben: in einem mit einer Verdampfungskühlung ausgestatteten Gebäude müssen Hinweise … „Fenster bitte nicht schlieSSen“ angebracht werden.

6. Literatur

[1] Wesołowski, A., 2010, Zukunft der Kältemittel, Teil 1, Kühlung und Klimatisierung, ISSN 1425-9796, Nr. 8/2010 Seiten 11-17

[2] Website http://www.ekonair.pl/, Abruf am 13.06.2014

[3] Website http://www.mir.gov.pl/budownictwo/rynek_budowlany_i_technika/efektywnosc_energetyczna_budynkow/typowe_lata_meteorologiczne/strony/start.aspx – typische meteorologische Jahre sowie statistische Klimadaten für Polen für Energieberechnungen von Gebäuden, Abruf am 13.06.2014

[4] The control of legionella bacteria in water systems. Approved Code of Practice and guidance. ISBN 978 0 7176 1771 2, U.K. Health and Safety Executive, 2009

[5] Kozłowski B., Toczyłowska B., Pykacz S., 2011, Richtlinien für Planung, Ausführung und Nutzung von Wasser- und Klimaanlagen zur Einschränkung der Gefahr durch Legionella-Bakterien, herausgegeben durch Institut für Bautechnik, Warszawa

[6] Bericht zu den Laboruntersuchungen Nr. „D“/769/1994/2013, erstellt von Woiwodschafts-Sanitär- und Seuchenstation Poznań, 26.09.2013

[7] Sikończyk I., 2013, adiabatische Kühlung in Komfort-Klimaanlagen, Installationsmarkt 3/2013

[8] Krajnik-Żuk E., 2011, adiabatische Kühlung in Industriebetrieben, Installationsmarkt 9/2011

[9] Anisimov S., Pandelidis D., 2012, Entwicklungsrichtungen der Verdampfungskühlung der Luft, Installationsmarkt 10/2012